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S. von Hasseln-Grindel: Praxishandbuch Sexualisierte Gewalt gegen Kinder

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Das Handbuch befasst sich in großer Ausführlichkeit nicht nur strafrechtlich mit dem Jugendschutzprozess, sondern auch den zivilrechtlichen, psychologischen, zwischenmenschlichen und sozialrechtlichen Fragen. Sexuelle Gewalt wird nicht als nur rein strafrechtliche, sondern gesellschaftliche Problematik dargestellt. Im Laufe des Verfahrens ist nicht allein das Jugendgericht, vielmehr auch das Jugendamt mit seinen Maßnahmen gegen eine Gefährdung des Kindeswohls gefragt. Deshalb beginnt das Handbuch mit einer Darstellung des gesellschaftlichen Problems, den Anhaltspunkten für das Erkennen eines Missbrauchs und der möglichen jugend- und familienrechtlichen Maßnahmen zum Schutz des Kindes. Erst auf Seite 104 schließt sich der strafrechtliche Teil an mit dem Spannungsfeld zwischen Beweissicherung, prozessual erforderlicher Beschleunigung und Fürsorge für das (mutmaßlich) geschädigte Kind. Akribisch wird das Verfahren von den Ermittlungen über Anklage und Zwischenverfahren bis zur Hauptverhandlung geschildert. Anhand eines fiktiven Hauptverhandlungsprotokolls werden alle Stationen durchgearbeitet, mit einzelnen Sonderdarstellungen, etwa einer Verständigung über im Wege des Adhäsionsantrages gestellte Schadenersatz- und Schmerzensgeldforderungen. Insoweit ist dieser Teil für Jugendschöffen von Interesse, die den Fortgang der Hauptverhandlung Schritt für Schritt nachvollziehen können, auch wenn auf ihre besondere Rolle nur im Zusammenhang mit der Qualifikation der berufs- und ehrenamtlichen Richter im Jugendstrafverfahren eingegangen wird. Abgerundet wird das Buch durch die über das bloße Strafverfahren hinausgehende Darstellung der Opferentschädigung nach SGB XIV und BGB. Der dritte Teil des Buches beschäftigt sich mit der Prävention in Zeiten „zunehmend barbarischer Formen als Herausforderung der globalen Zivilgesellschaft“. Die Autorin bezieht in die Prävention neben der klassischen Verhinderung der Straftat an sich auch die Opferprävention zur Wiederherstellung der Menschenwürde eines missbrauchten Kindes ein. Vollständiger kann die Beschäftigung mit der Problematik von der Verhinderung bis zur psychischen Bewältigung eines Missbrauches kaum sein. Ein ausführliches Stichwortverzeichnis erleichtert den schnellen Zugang zu allen Details. (hl)


Zitiervorschlag: Hasso Lieber, Sigrun von Hasseln-Grindel (Hrsg.): Praxishandbuch Sexualisierte Gewalt gegen Kinder [Rezension], in: LAIKOS Journal Online 4 (2026) Ausg. 1, S. 37.

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