Zum 250. Geburtstag von E. T. A. Hoffmann
Ursula Sens
Ernst Theodor Amadeus Hoffmann (* 24.1.1776, † 25.6.1822) war nicht nur einer der bedeutendsten Schriftsteller der deutschen Romantik, sondern auch Jurist, Komponist, Kapellmeister, Musikkritiker, Zeichner und Karikaturist. Aus Verehrung für Wolfgang Amadeus Mozart ersetzte er seinen dritten Vornamen Wilhelm durch Amadeus. Sein Leben konnte gegensätzlicher nicht sein. Sein „Brotberuf“ als Jurist bot ihm wirtschaftliche Unabhängigkeit und ermöglichte sein künstlerisches Schaffen. Mit 16 Jahren begann er – entsprechend der Familientradition – das Jura-Studium in Königsberg, legte mit 19 Jahren das erste, mit 22 Jahren das zweite und mit 24 Jahren das dritte juristische Staatsexamen mit der Note „vorzüglich“ ab. Damit hatte er sich für die höchsten Richterstellen qualifiziert. Das Referendariat absolvierte er am Kammergericht und lernte in Berlin auch das kulturelle Leben kennen. Nach dem dritten Staatsexamen wurde er als Gerichtsassessor nach Posen, das damals zu Preußen gehörte, versetzt. Weitere berufliche Stationen führten ihn nach Plock und Warschau, wo die Besetzung durch die Truppen Napoleons 1806 seine juristische Laufbahn vorläufig beendete, da er den Eid auf die neue französische Regierung verweigerte. Nach acht Künstlerjahren, in denen er u. a. als Kapellmeister, Komponist, Bühnenarchitekt und Musiklehrer arbeitete, bot sich ihm 1814 die Möglichkeit, in den preußischen Staatsdienst zurückzukehren. 1816 ernannte ihn König Friedrich Wilhelm III. zum Kammergerichtsrat. Er wurde ein hoch angesehenes Mitglied am Kammergericht, dem wichtigsten juristischen Spruchkörper im damaligen Preußen. Zurück in seiner „Lieblingsstadt“ baute sich der vielseitige Künstler einen großen Freundeskreis auf und pflegte Umgang mit Persönlichkeiten wie Ludwig Tieck, Adelbert von Chamisso, Clemens Brentano und Friedrich de la Motte Fouqué. Seine Abende verbrachte er häufig in der Weinstube Lutter & Wegner am Gendarmenmarkt; eine Gedenktafel mit Porträtmedaillon an der Außenfassade des historischen Lokals erinnert an den Stammgast.

1819 wurde er vom preußischen König in die „Immediat-Untersuchungskommission zur Ermittlung hochverräterischer Verbindungen und anderer gefährlicher Umtriebe“ berufen. Dabei ging es um die Verfolgung sog. Demagogen, Mitglieder der Burschenschaften und der Turnerbewegung; u. a. war Hoffmann für den Fall des „Turnvaters“ Jahn zuständig. Aufgrund von Hoffmanns Gutachten urteilte die Kommission in vielen Fällen, dass keine rechtswidrige Tat festzustellen war, da die Gesinnung allein keine strafbare Handlung sei. Den Frust seiner Tätigkeit in der Kommission verarbeitete er in dem Märchen „Meister Floh“. Da sich der preußische Polizeidirektor von Kamptz in der Figur des „Hofrats Knarrpanti“ verumglimpft sah, wurde das Manuskript zensiert. Knarrpantis Rechtsverständnis verdeutlicht der Satz, wenn erst der Verbrecher ermittelt sei, sich das begangene Verbrechen von selbst finde.1 Nach Streichen der betreffenden Passagen erschien das Werk 1822 (mit dem zensierten Text erst 1908). In Hoffmanns Verteidigungsschrift hieß es: „Dem humoristischen Dichter muß es freistehen, sich in dem Gebiet seiner phantastischen Welt frei und frisch zu bewegen.“2 Sein früher Tod bewahrte ihn vor disziplinarischen Maßnahmen.3
E. T. A. Hoffmann war literarisch sehr produktiv. Wegen seiner schauerlichen Erzählungen zählt er zu den Repräsentanten der „Schwarzen Romantik“. Die Erzählung „Das Fräulein von Scuderi“ handelt von der Aufklärung einer rätselhaften Mordserie in Paris zurzeit König Ludwigs XIV. und gilt als erste deutsche Kriminalnovelle. Mit der Oper „Undine“ gelang ihm sein wohl wichtigstes musikalisches Werk, das 1816 in Berlin uraufgeführt wurde.4
E. T. A. Hoffmann-Skulpturen in Berlin
Die Original-Skulptur der Bildhauerin Carin Kreuzberg entstand 1978 aus Sandstein und wurde mehrfach beschädigt. Eine restaurierte Fassung wurde zum 200. Todestag in der Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Unter den Linden (Café Felix, Innenhof) aufgestellt (Foto oben). Eine von der Schulter über den linken Arm herabgleitende, mit einem Krönchen geschmückte Schlange ist eine Anspielung auf das Märchen „Der goldene Topf“. Eine Bronze-Replik der Skulptur (Foto re.) befindet sich am Gendarmenmarkt (Ecke Taubenstr./Charlottenstr.) gegenüber dem Haus, in dem E. T. A. Hoffmann zuletzt gewohnt hat. | Fotos: Ursula Sens

- Meister Floh, Düsseldorf/Zürich 1998, S. 90. ↩︎
- Ebenda, S. 200. ↩︎
- Ausführlich: Hans Günther, E. T. A. Hoffmanns Berliner Zeit als Kammergerichtsrat, Berlin 1976. ↩︎
- Weitere Information zu Leben und Werk: Staatsbibliothek zu Berlin, E. T. A. Hoffmann Portal; E. T. A. Hoffmann-Gesellschaft [Abruf: 20.9.2026]. ↩︎
Zitiervorschlag: Ursula Sens, Zum 250. Geburtstag von E. T. A. Hoffmann, in: LAIKOS Journal Online 4 (2026) Ausg. 3, S. 120-121.