In memoriam Jürgen Kipp – Für das richterliche Ehrenamt in der Verwaltungsgerichtsbarkeit

Foto: © Anita Back
Der vormalige und erste Präsident des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg, Jürgen Kipp, ist am 17. Januar 2026 mit 79 Jahren verstorben.1 Seinen richterlichen Dienst im Land Berlin begann er 1976. Nach mehreren Stationen in der Verwaltungsgerichtsbarkeit (Verwaltungsgericht Berlin, OVG Berlin, Bundesverwaltungsgericht) kehrte er als Vizepräsident an das Oberverwaltungsgericht Berlin zurück und wurde im Dezember 2002 dessen Präsident. Ab 1. Juli 2005 bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand zum 31. Dezember 2011 war Jürgen Kipp der erste Präsident des gemeinsamen Oberverwaltungsgerichts der Länder Berlin und Brandenburg. Zur Fusion der beiden Gerichte hat er maßgeblich beigetragen. Zu seinen bekanntesten Verfahren gehörten die Schließung des Flughafens Tempelhof oder die militärische Weiternutzung des Truppenübungsplatzes Wittstocker Heide („Bombodrom“).
Jürgen Kipp hat sich auch in hohem Maße für die Qualifizierung der ehrenamtlichen Richterinnen und Richter in der Verwaltungsgerichtsbarkeit eingesetzt. Neben den im Oberverwaltungsgericht durchgeführten Fortbildungsveranstaltungen hat er gemeinsam mit Hasso Lieber einen Beitrag zur Einführung in das Amt verfasst.2 In einem Artikel hat er sich auch zum ethischen Verhalten der ehrenamtlichen Richterinnen und Richter geäußert, indem er einen Konflikt mit einem ehrenamtlichen Richter beschrieb, der seiner Pflicht nicht nachkam, sich eine eigene Meinung über den Fall zu bilden, und so stimmen wollte wie der Präsident.3 Unvergessen ist auch seine Neigung zu praktischer Hilfe, als er im November 2011 im Rahmen des „Lesemarathons Berlin-Brandenburg STADT LAND BUCH“ des Berliner Wissenschafts-Verlages Gastgeber der Literatur-Veranstaltung zum richterlichen Ehrenamt „Wenn Lebenserfahrung auf juristischen Sachverstand trifft“ war. Im vollbesetzten Sitzungssaal des OVG erlebten die Zuhörer die literarischen Beiträge im Flair des historischen Gebäudes, ehemals Sitz des Preußischen Oberverwaltungsgerichtes.4
Darüber hinaus hat sich Jürgen Kipp auch zivilgesellschaftlich engagiert, u. a. 40 Jahre als Vorstandsvorsitzender des Nachbarschaftsheims Schöneberg. Im Nachruf des Vereins heißt es: „Besonders hervorheben möchten wir seinen konsequenten und überzeugten Einsatz für die Demokratie und Teilhabe sowie ein respektvolles gesellschaftliches Miteinander. Diese Werte waren für Jürgen Kipp keine abstrakten Begriffe, sondern gelebte Haltung. Er hat sich stets dafür eingesetzt, dass das Nachbarschaftsheim ein Ort bleibt, an dem demokratische Grundwerte, Offenheit, Dialog und gesellschaftliche Verantwortung selbstverständlich sind.“ Ein Zitat von Jürgen Kipp gibt auch seine Einstellung wieder: „Die Grundidee, im nachbarschaftlichen Miteinander demokratische Regeln kennenzulernen, ist immer noch richtig und wichtig.“5 (us)
- Präsident des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg a. D. Jürgen Kipp verstorben, Gemeinsame Pressemitteilung des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg, der Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz und des Ministeriums der Justiz und für Digitalisierung 04/2026 vom 20.1.2026 [Abruf: 20.2.2026]. ↩︎
- Jürgen Kipp/Hasso Lieber, Einführung in die Verwaltungsgerichtsbarkeit für ehrenamtliche Richterinnen und Richter, RohR 2010, S. 48-52. ↩︎
- Jürgen Kipp, So nicht! – Falsch!, RohR 2016, S. 7. ↩︎
- Bettina Cain, „Richter ohne Robe“ – literarisch!, RohR 2012, S. 27. ↩︎
- Trauer um langjährigen Vorstandsvorsitzenden Jürgen Kipp [Abruf: 20.2.2026]. ↩︎
Zitiervorschlag: Ursula Sens, In memoriam Jürgen Kipp – Für das richterliche Ehrenamt in der Verwaltungsgerichtsbarkeit, in: LAIKOS Journal Online 3 (2025) Ausg. 4, S. 149.