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Hasso Lieber zum 80. Geburtstag am 12. Mai 2026

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Liebe Leserinnen und Leser,

zu seinem 80. Geburtstag haben Freunde und Wegbegleiter in dieser Ausgabe Abhandlungen zu dem Thema verfasst, das Hasso Lieber über Jahrzehnte politisch und praktisch geprägt hat.

Sein Engagement für das richterliche Ehrenamt begann 1982, als er mit der SBG Westfalen (später: Heinz-Kühn-Bildungswerk) die ersten Schöffenseminare organisierte. Damit betrat er Neuland. Andere Bildungseinrichtungen übernahmen das erfolgreiche Konzept. Im Ruhrgebiet entstanden 1986 Initiativgruppen, Keimzellen für eine erste Interessenvertretung der ehrenamtlichen Richterinnen und Richter in Nordrhein-Westfalen.1 Aufgrund seiner Kontakte in die Politik und die Justiz initiierte Hasso Lieber die Gründung des Landesverbandes Nordrhein-Westfalen am 25.2.1989 – die Geburtsstunde des gesamten Verbandes. Der Gründungsaufruf wurde u. a. vom damaligen Ministerpräsidenten in Nordrhein-Westfalen Johannes Rau unterschrieben. Einige Monate später gründete sich der Landesverband Bayern. Weitere Landesverbände folgten zu Beginn der 1990er-Jahre in den ostdeutschen Ländern, die eine ausgeprägte Schöffen-Tradition mitbrachten. Mit dem Landesverband Brandenburg-Berlin gelang etwas, was der Politik der beiden Länder versagt blieb. Als fruchtbar erwies sich die Zusammenarbeit mit der Friedrich-Ebert-Stiftung, die in allen ostdeutschen Ländern Schöffenseminare organisierte. In dieser Zeit gelang es Hasso Lieber, durch seine Mitarbeit im Brandenburger Verfassungsausschuss mit Artikel 110 der Landesverfassung die Aufnahme von Schutz-, Mitwirkungs- und Fortbildungsrechten der ehrenamtlichen Richter zu verankern. Solche Rechte hatte noch die demokratische Volkskammer der DDR Anfang 1990 geschaffen, die durch die Transformation in die Landesverfassung bewahrt wurden.

Die Zusammenarbeit mit Trägern der Erwachsenenbildung war auch in Baden-Württemberg erfolgreich. Die von der Evangelischen Akademie Bad Boll in Zusammenarbeit mit Hasso Lieber organisierten Seminare für alle richterlichen Ehrenämter unter dem Titel „Im Namen des Volkes“ führten 1998 zur Gründung des dortigen Landesverbandes.

Mit Zunahme der Landesverbände begann der Aufbau einer Dachorganisation, des Bundesverbandes ehrenamtlicher Richterinnen und Richter, dessen Vorsitzender Hasso Lieber von 1996 bis 2017 war. Hervorzuheben in seiner Zeit ist die bundesweite Festveranstaltung zum 10-jährigen Bestehen der Deutschen Vereinigung der Schöffinnen und Schöffen am 13. März 1999 in der Universität Leipzig mit dem Titel „Ehrenamtliche Richter – Demokratie oder Dekoration am Richtertisch?“ mit über 500 Teilnehmern; den Festvortrag hielt die damalige Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts Prof. Dr. Jutta Limbach.2 Zu diesem Jubiläum ist auch eine Festschrift erschienen, die erstmals die ehrenamtlichen Richterinnen und Richter aller Gerichtsbarkeiten in den Blick nahm.3 Neben einer Bestandsaufnahme ging es in dieser „rechtspolitischen Streitschrift“ auch um Reformen des richterlichen Ehrenamtes.

2008 wurde eine weitere Idee in die Praxis umgesetzt – der „Deutsche Schöffenpreis“, mit dem Persönlichkeiten geehrt wurden, die das richterliche Ehrenamt gestärkt und öffentlichkeitswirksam unterstützt haben. Im großen Saal des Berliner Kammergerichts wurden die Hauptdarstellerin Petra Kleinert und Redakteurin Silvia Lambri der ZDF-Serie „Jetzt erst recht“ die ersten Preisträgerinnen.4 2013 wurde Prof. Dr. Rita Süssmuth im großen Protokollsaal des Deutschen Bundestages für ihr Engagement geehrt, mit dem sie als Präsidentin des Deutschen Volkshochschul-Verbandes mehrere Kampagnen des Bundesverbandes unterstützt hatte, um geeignete Personen für das Schöffenamt zu mobilisieren und ihnen in Einführungsveranstaltungen der Volkshochschulen die Grundlagen des Amtes zu vermitteln.5

Information, Qualifikation und Fortbildung der ehrenamtlichen Richter waren Hasso Lieber immer ein Anliegen. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Schöffenwahl und die Einführung der Schöffen in ihr Amt. Dazu gehört insbesondere die Schulung der Mitarbeiter der Kommunalverwaltungen, deren Arbeit zentrale Weichen stellen, geeignete und motivierte Personen für das Schöffenamt zu gewinnen, vor allem auch, extremistische wie ungeeignete Bewerber für das Amt zu verhindern.

Hasso Lieber, Rechtsanwalt, PariJus gGmbH | Foto: privat

Mit der Gründung einer Interessenvertretung war 1989 auch das ehrgeizige Ziel verbunden, eine eigene Zeitschrift für ehrenamtliche Richterinnen und Richter herauszugeben. So übernahm Hasso Lieber vom 1. Jahrgang 1989 bis zum 34. Jahrgang 2022 (Heft 1) die Redaktionsleitung für „Richter ohne Robe“. 2023 gründete er die Online-Zeitschrift „LAIKOS Journal Online“, die von der gemeinnützigen Gesellschaft PariJus herausgegeben wird.
Auch mit seinen Büchern will er Informationen über das Schöffenamt vermitteln. 1986 erschien sein erstes Buch mit „Informationen zum Strafrecht – nicht nur für Schöffen“; der Titel „Laß dir vom Richter nicht imponieren …“, stammt aus dem „Merkblatt für Geschworene“ von Kurt Tucholsky und ist typisch für seine kritische Einstellung zu Juristen. Sein Standardwerk „Fit fürs Schöffenamt“ ist zuletzt 2024 erschienen.

Während seiner Zeit als Vorsitzender des Bundesverbandes wurde auch die europäische Zusammenarbeit begründet. Von 2010 bis 2012 betreute er zusammen mit der Europäischen Akademie Berlin das von der EU geförderte Projekt des „Europäischen Tages der Ehrenamtlichen Richter“, das mit der Unterzeichnung einer „Europäischen Charta der Ehrenamtlichen Richter“ im Gebäude des Europäischen Parlaments in Brüssel seinen Abschluss fand. Der von Hasso Lieber gefertigte Entwurf der Charta war vorher in Konferenzen der europäischen Organisationen ehrenamtlicher Richter in London und Berlin diskutiert und weiterentwickelt worden. Auf dieser Basis wurde das Projekt mit der Gründung des „Europäischen Netzwerks der Vereinigungen der Ehrenamtlichen Richter“ fortgeführt.6 Anlässlich des jährlich stattfindenden Europäischen Tages am 11. Mai bietet eine Festveranstaltung die Gelegenheit, sich auf europäischer Ebene über das richterliche Ehrenamt austauschen. Von 2012 bis 2014 war Hasso Lieber erster Präsident des Europäischen Netzwerks, derzeit ist er als Vizepräsident für EU-Angelegenheiten zuständig. Da in vielen EU-Mitgliedstaaten eine Reduzierung oder eine Tendenz zur Abschaffung der ehrenamtlichen Richter zu verzeichnen ist, sind Anstrengungen erforderlich, das richterliche Ehrenamt als demokratisches und rechtsstaatliches Element in Europa zu definieren.

Die 2016 von Hasso Lieber gegründete gemeinnützige Gesellschaft PariJus dient vor allem dem Zweck, Wissenschaft und Forschung über die Teilhabe der Zivilgesellschaft an der Rechtsprechung zu fördern, Bildungsträger bei der Planung von Fortbildungsveranstaltungen zu unterstützen und die Bedeutung der Mitwirkung der ehrenamtlichen Richter in den Fokus zu stellen. Das ist angesichts der aktuellen rechtspolitischen Vorhaben der Regierungskoalition wichtiger denn je.

Die Autoren dieser Ausgabe danken dem Jubilar mit ihren Beiträgen für sein Engagement und übermitteln die besten Wünsche zum Geburtstag. Die Bandbreite der Themen umfasst das richterliche Ehrenamt in Deutschland und Europa.

Ich wünsche Ihnen eine erbauliche Lektüre

Ursula Sens


  1. Ausführlich: Nach einem Vierteljahrhundert: Entstehung und Entwicklung der ersten Interessenvertretung für ehrenamtliche Richterinnen und Richter in Deutschland, RohR 2015, S. 4-7. ↩︎
  2. Dokumentation in: RohR 1999, S. 38 ff. ↩︎
  3. Hasso Lieber/Ursula Sens (Hrsg.), Ehrenamtliche Richter – Demokratie oder Dekoration am Richtertisch? Festschrift zum 10jährigen Jubiläum der Deutschen Vereinigung der Schöffinnen und Schöffen, 1999. ↩︎
  4. Dokumentation der Preisverleihung am 7.2.2008: RohR 2008, S. 43 ff. ↩︎
  5. Dokumentation der Preisverleihung am 22.2.2013: RohR 2013, S. 44 ff. ↩︎
  6. Geschichte und Dokumentation des Projekts: RohR 2012, S. 39 ff.; European Day of Lay Judges. Documentary of the elaboration of the European Charter of Lay Judges, 2012. ↩︎

Zitiervorschlag: Ursula Sens, Hasso Lieber zum 80. Geburtstag am 12. Mai 2026 [Editorial], in: LAIKOS Journal Online 4 (2026) Ausg. 2, S. 45-46.

Über die Autoren

  • Geschäftsführerin PariJus gGmbH, 1994 bis 2018 Vorsitzende Deutsche Vereinigung der Schöffinnen und Schöffen – Bund ehrenamtlicher Richterinnen und Richter – Landesverband NRW e. V., 1995 bis 2022 (Heft 1) Mitarbeit Redaktion „Richter ohne Robe“ | Foto: privat

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