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H. Lieber; U. Sens: Fit fürs Schöffenamt

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Das Amt der Schöffin bzw. des Schöffen ist wichtig und voraussetzungsvoll. Wichtig, weil es sozusagen die „Erdung“ der Strafjustiz in der Bevölkerung darstellt. Recht wird ja „im Namen des Volkes“ gesprochen. Voraussetzungsvoll, weil Rechtslaien in Gerichtsverfahren mit (weitestgehend) gleichen Rechten wie die Berufsrichter teilnehmen sollen, ihnen aber deren Berufshintergrund, Studium und Vertrautheit mit den Abläufen bei Gericht regelmäßig fehlen. Es ist kein Geheimnis, dass die Einführungsveranstaltungen für Schöffen, die von den Gerichten selbst angeboten werden, nur wenig Inhalt vermitteln. Öfter ist von Schöffinnen und Schöffen berichtet worden, dass es wenig über ihre Rechte, dafür umso mehr um ihre Pflichten ging. Der „Ratgeber für ehrenamtliche Richterinnen und Richter in der Strafgerichtsbarkeit“ von Lieber und Sens will hier Abhilfe leisten. Er erscheint bereits in dritter Auflage und die Autoren greifen auf eine breite Erfahrungsgrundlage zurück. Dazu zählen Seminare für Schöffinnen und Schöffen, in denen diese über ihre Schwierigkeiten und die zuweilen klar von „good practice“ abweichende Behandlung der Schöffen berichtet haben.
„Fit fürs Schöffenamt“ ist gut gesetzt und lektoriert, was die Lektüre erleichtert. Der Text ist durchweg sehr lesbar und nur manchmal musste der Rezensent Zeilen noch einmal lesen, wenn es sehr technisch wurde, z. B. bei der Kalkulation, die der Strafzumessung in komplexeren Fällen zugrunde gelegt werden muss. Aber das ist der Materie geschuldet. Der Orientierung der Leser dienen ein ausführliches Inhaltsverzeichnis, ein Register und ein Glossar für verwandte Begriffe. Zahlreiche gut gewählte Beispiele dienen dazu, die vorgestellten Regeln und mögliche Fallkonstellationen zu illustrieren. Es finden sich auch Ablaufdiagramme, die den Instanzenzug und die Schritte des Strafverfahrens darstellen.
Lieber und Sens sehen das Schöffenamt als durchaus anspruchsvoll an und zeigen deutlich, dass es den ehrenamtlichen Richtern einiges abverlangen kann. Wie sehr, das hängt von der Fallkonstellation ab und sehr maßgeblich von der Unterstützung, die die vorsitzenden Berufsrichter ihren Laienkollegen leisten. „Fit fürs Schöffenamt“ zeigt deutlich, wie manche Berufsrichter ihre Schöffen benachteiligen, aber auch, auf welche Rechte Schöffinnen und Schöffen bestehen können.
Denjenigen, die in der Justiz arbeiten oder zur Gerichtsbarkeit forschen, vermittelt „Fit fürs Schöffenamt“ zahlreiche Informationen zur gerichtlichen Praxis, die so und so konzentriert nirgends sonst zu lesen sind. Damit bietet sich das Buch nicht nur für Schöffinnen und Schöffen zur Lektüre an.
Stefan Machura, Bangor (Wales/UK)


Zitiervorschlag: Stefan Machura, Hasso Lieber; Ursula Sens: Fit fürs Schöffenamt [Rezension], in: LAIKOS Journal Online 3 (2025) Ausg. 4, S. 152.
 

Über die Autoren

  • Professor emeritus Dr. Dr. habil. Stefan Machura has been teaching criminology and criminal justice at Bangor University, Bangor, UK from 2006 to 2025 | Photo: Bangor University

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