G. Budde: Jutta Limbach
Gunilla Budde: Jutta Limbach. Ein Leben für die Gerechtigkeit. Biografie. München: Beck 2025. 331 S. ISBN 978-3-406-82663-4 € 29,90
Fast neun Jahre nach dem Tod von Jutta Limbach (* 27.3.1934, † 10.9.2016) erscheint die Biografie einer der faszinierendsten Frauen, der ich in meinem politischen und juristischen Leben begegnet bin. Das Werk beschreibt eine Frau, die Wissenschaft, Politik und Menschlichkeit zu vereinbaren wusste. Zu Recht nimmt daher die Familie in der Abhandlung einen großen Raum ein. In vielen Bereichen, in denen sie arbeitete, war Jutta Limbach die einzige Frau unter Männern, hat aber ihr Frau-Sein nie „vermarktet“ – ein heute nur allzu häufig anzutreffender Umstand, ein (einziges) Persönlichkeitsmerkmal zum Geschäftsmodell zu machen. Die Autorin konnte es nicht voraussehen, aber unter dem Eindruck der skandalösen Angriffe auf die zur Bundesverfassungsrichterin vorgeschlagenen Frauke Brosius-Gersdorf erhält die Biografie einer im wahrsten Sinne politischen Richterin eine besondere Bedeutung. Auch Jutta Limbach startete als Wissenschaftlerin, war als Justizsenatorin in Berlin Politikerin und krönte als Verfassungsrichterin, später Präsidentin des höchsten deutschen Gerichts ihre berufliche Laufbahn. Diese Darstellung eines politischen Lebens im Sinne der politeia bzw. res publica, das sich dem idealen Staat mit Gerechtigkeit für alle widmete, entlarvt die heutige unheilige Allianz von kirchlichen, politischen und medialen Vertretern, die notwendige Voraussetzungen für ein richterliches Amt wie Meinungsstärke, Charakter, Rationalität und Offenheit der Argumentation mit an Verleumdung grenzender Kritik überziehen. Jutta Limbach hat die Macht gezielter Kampagnen selbst erlebt, als sie für das Amt der Bundespräsidentin ins Gespräch gebracht und medial „hinausgeschrieben“ wurde. Ihre Fähigkeit zu rational-strukturiertem Denken war bewundernswert. Bei einem Rechtspolitischen Kongress der SPD leitete sie einen Arbeitskreis so stringent, dass ich als Berichterstatter keine Mühe hatte, eine fünfstündige Diskussion binnen kurzer Zeit in einem alles Wesentliche beinhaltenden Bericht als Einleitung für die Debatte im Plenum zusammenzufassen.

Foto: privat
Die Biografie gibt einen weiteren wesentlichen Zug von Jutta Limbach wieder – ihr Augenmerk darauf, auch von den nicht wissenschaftlich vorgebildeten Menschen verstanden zu werden, innerhalb wie außerhalb der Justiz. Ihr Vortrag zum 10-jährigen Bestehen der Deutschen Vereinigung der Schöffinnen und Schöffen am 13.3.1999 in der Universität Leipzig brachte das deutlich zum Ausdruck.1 Ich habe im Nachruf auf sie daran erinnert2 und wiederhole dies im Zusammenhang mit der Biografie gern. Der Würdigung des Verlages „einer herausragenden Juristin, besonnenen Politikerin und undogmatischen Feministin“ als Vorbild nachfolgender Generationen kann ohne Einschränkung zugestimmt werden. Die Biografie, der eine umfassende Auswertung von schriftlichen und personalen Quellen zugrunde liegt, unterstreicht dies eindrücklich. (hl)
- Jutta Limbach, Ehrenamtliche Richter – Demokratie oder Dekoration am Richtertisch?, RohR 1999, S. 55-60. ↩︎
- Hasso Lieber, Jutta Limbach † – Ein Nachruf, RohR 2016, S. 114. ↩︎
Zitiervorschlag: Hasso Lieber, G. Budde: Jutta Limbach [Rezension], in: LAIKOS Journal Online 3 (2025) Ausg. 2, S. 73-74.